Drei Generationen auf dem Gemüsemarkt Attiswil Familie Zimmermann bietet Produkte ab dem eigenen Hof und Kultur aus dem Schöpfli an Rund 80 Prozent ihres Einkommens erwirtschaften Peter und Rosmarie Zimmermann auf dem Bleuerhof in Attiswil mit der Direktvermarktung. Jeden Donnerstag verkaufen sie ihre Bioprodukte auf dem Markt in Olten, am Freitag auf dem Bleuerhof und am Samstag auf dem Markt in Solothurn.
Kurt Nützi
Als 1993 Rosmarie und Peter Zimmermanns zweites Kind auf die Welt kam, mussten sich die beiden entscheiden, wie sie die vierköpfige Familie künftig ernähren wollen. Um mehr Flexibilität zu gewinnen und weniger den finanziellen Belastungen ausgesetzt zu sein, entschieden sie sich gegen eine teure Stallvergrösserung auf ihrem Hof in Attiswil und für den Gemüseanbau. Seit 1995 pflanzt Peter Zimmermann seine rund 35 Salat- und Gemüsesorten nach Bio-Richtlinien an. Inzwischen ist sein Betrieb auch von der Organisation Bio-Suisse zertifiziert. Der traditionelle Landwirtschaftsbetrieb mit vier Kühen, fünf Kälbern und dem Kartoffel- und Getreideanbau steuert heute nur noch 20 Prozent zum Einkommen der Familie bei. Den Löwenanteil bestreiten Zimmermanns mit der Direktvermarktung. Je nach Fruchtfolge sät Zimmermann neben Weizen und Gerste auch die alte Sorte Dinkel aus.
«Ich schätze den Kundenkontakt» Der 47-jährige Peter Zimmermann wuchs auf dem Bleuerhof auf. Er durchlief die übliche Ausbildung zum Landwirt mit zwei Lehrjahren auf einem Landwirtschaftsbetrieb und der schulischen Ausbildung auf dem Waldhof in Langenthal. Dort absolvierte er zusätzlich den Betriebsleiterkurs. «Der Beruf ist mein Hobby», erklärt Zimmermann. Er sei gerne in der freien Natur. «Zudem schätze ich den Kontakt mit den Kunden, welche unsere Produkte auf den Märkten in Olten, Solothurn und direkt ab Hof kaufen.»
Kinder helfen fleissig mit Bereits als Kind begleitete Peter Zimmermann seine Eltern auf den Markt. Auch seine drei Kinder, welche als fünfte Generation Zimmermann auf dem Bleuerhof leben, müssen beim Rüsten der Ware für die Märkte mithelfen. Die beiden Töchter Selina und Nadine sind für das Bündeln der diversen Kräuter verantwortlich. Samuel begleitet seine Eltern auf die Märkte und erhält dafür ab und zu ein Trinkgeld. Grossmutter Johanna, die dritte Zimmermann-Generation, backt Brot und Zöpfe und dörrt Früchte für den Verkauf. Am Stand in Olten oder vor dem «Chuchilade» in Solothurn wird der Kundschaft auch Olivenöl aus Italien angeboten. Üblicherweise verkaufen die Zimmermanns zwar nur eigenes Saison- oder Lagergemüse. Auf Wunsch der Kunden beschafft die Attiswiler Bauernfamilie aber auch Produkte bei Kollegen oder beim Grosshändler.
Weil die Käserei in Attiswil schloss, können die Zimmermanns heute keine eigenen Bio-Milchprodukte – «welche von der Kundschaft sehr geschätzt wurden» – mehr anbieten. Rosmarie und Peter Zimmermann verstanden sich aber nie als Konkurrenz zu den Dorfläden und suchten immer die Zusammenarbeit. Wegen der Käsereischliessung und den fehlenden Biomilchprodukten verloren sie etliche Kunden.
Arbeit im Büro… Rosmarie Zimmermann-Dietrich schlug zuerst einen anderen beruflichen Weg ein als ihr Mann und absolvierte das Lehrerseminar in Spiez. Sie unterrichtete in Attiswil und Oensingen, besuchte danach die Bäuerinnenschule am Waldhof und erwarb den Fachausweis an verschiedenen bäuerlichen Ausbildungsstätten im Kanton Bern. Später erwarb sie den Fachausweis im Tastaturschreiben und unterrichtet mit dieser Befähigung am Oberstufenzentrum in Derendingen. Seit kurzem arbeitet die ehemalige Lehrerin in einem 50-Prozent-Pensum beim Amt für Umwelt in Solothurn. Die 42-jährige Mutter fährt in ihrer Freizeit gerne Velo, liest, töpfert und besucht kulturelle Veranstaltungen.
…und im Kulturschöpfli Dieses Hobby hat Rosmarie Zimmermann auch zu einem weiteren Angebot auf dem Bleuerhof inspiriert: dem Kulturschöpfli. Während einem Jahr richtete ein Emmentaler Förster ein wahres Bijou in der ehemaligen Remise ein. Bereits fanden erste kulturelle Anlässe und Ausstellungen statt. Das Kulturschöpfli soll auch für kulinarische Anlässe Raum bieten.
Für Familienanlässe können Interessierte das schmucke Häuschen mieten. Die Familie Zimmermann bietet neben dem Raum auch Hilfe bei der Durchführung der Anlässe an, bereitet Apéros zu, offeriert aber kein Catering. In der Adventszeit entsteht beim Bleuerhof zudem ein Weihnachtsweg. Die Töpferin Elisabeth Ruch kreiert Engel aus Ton, welche auf einem Rundweg zu bewundern sind.
Peter Zimmermann äussert sich vorsichtig, angesprochen auf die Zukunft der Landwirtschaft in der Schweiz: «Es ist schwierig, eine Prognose zu stellen. Die Bauern müssen flexibel auf Veränderungen und Vorschriften reagieren. Für uns stimmt die Situation zurzeit, obwohl ich bei den Bioprodukten und bei der Direktvermarktung eine gewisse Stagnation feststelle.» Die Kinder von Peter und Rosmarie Zimmermann sollen zuerst einen Beruf erlernen. «Mit 20 oder 30 Jahren wäre es nicht zu spät, sich für den Bleuerhof zu entscheiden» – davon ist das Ehepaar überzeugt.
Direktverkauf ab dem Bleuerhof in Attiswil: Jeden Freitag von 16 Uhr bis 18.30 Uhr. Informationen gibts unter der Telefonnummer 032 637 19 50 oder per E-Mail unter bleuerhof@bluewin.ch.